Heute war es endlich so weit: meine erste Honigernte.
Der Tag begann früh, sehr früh. Bereits um 6:30 Uhr trafen wir uns am Bienenhaus. Die Luft war noch kühl, die Umgebung ruhig und trotzdem lag eine besondere Spannung in der Luft. Irgendwie wusste ich schon beim Ankommen: Das wird einer dieser Tage, die man nicht so schnell vergisst.
Gemeinsam wurden bei vier Völkern die Honigräume beziehungsweise die einzelnen Rähmchen kontrolliert. Mit dem Refraktometer prüften wir sorgfältig den Wassergehalt des Honigs. Geerntet wurde nur, was bei 18 % oder darunter lag. Für mich war das besonders spannend, weil aus all dem theoretischen Wissen plötzlich echte Praxis wurde. Den ersten Tropfen Honig auf dem Messgerät zu prüfen, fühlt sich überraschend besonders an.
Anschließend wurden die Bienen vorsichtig von den Waben abgekehrt und die geernteten Rähmchen sauber in Transportzargen verstaut. Dabei wurde sehr sorgfältig gearbeitet, damit der Honig genau dort bleibt, wo er hingehört. Danach wurden die Zargen in mein Auto geladen und zum Vereinshaus gefahren.
Dort begann dann der Teil, auf den ich mich schon lange gefreut hatte.
Gemeinsam mit einem erfahrenen Imker wurden die Waben entdeckelt und anschließend geschleudert. Zum ersten Mal den eigenen Honig aus der Schleuder laufen zu sehen, ist schwer zu beschreiben. Dieser goldene Strom, der langsam aus den Waben fließt, der Duft von Wachs und Blüten – plötzlich versteht man, warum Imker von der Honigernte oft mit so viel Begeisterung erzählen.
Der Honig lief anschließend durch ein Doppelsieb direkt in die Eimer. Alles geschah ruhig, konzentriert und mit viel Sorgfalt und nach und nach füllten sich die Eimer mit dem ersten eigenen Honig.
Natürlich gehört auch das danach zur Imkerei dazu: reinigen, aufräumen, Geräte säubern und alles wieder ordentlich verstauen. Erst danach wurden die ausgeschleuderten Waben zurück zum Bienenhaus gebracht und wieder in die Völker gehängt. Faszinierend ist dabei immer, wie schnell die Bienen beginnen, ihre Waben erneut herzurichten.
Am Ende des Tages war ich zwar müde, aber gleichzeitig voller Eindrücke. Zwischen Schleuder, Honigduft und summenden Bienen wurde mir heute klar, warum ich Imker werden möchte.